Redebeitrag von Hannelies Höchel, stellvertretende Vorsitzende des Vereins Couleurs Afrik – Die Farben Afrikas e.V.:
Wieder sind wir zusammengekommen, um den Weltfriedenstag zu würdigen.
Was hat sich seit dem vergangenen Jahr verändert? Leider nichts zum Guten, und das bezieht sich in besonderem Maße auf Afrika. Nicht nur in der Ukraine und in Gaza gibt es noch immer keinen Frieden, und die Situation in Europa ist gefährlicher geworden. Auch die Kriege und humanitären Katastrophen auf dem afrikanischen Kontinent haben sich teilweise verschärft und sind trotzdem weitgehend vergessen.
Wenn ich das jetzt etwas konkreter ausführe, dann beziehe ich mich auf die Emergency Watchlist 2025 des International Rescue Committees (IRC).
David Milibrand, der Präsident des IRC stellt dem Bericht folgenden Satz voran: „Die Welt steht in Flammen – und für hunderte Millionen von Menschen ist dies die tägliche Realität.“
Kommen wir nun zu den Fakten: Unter den 10 größten Krisen in der Welt sind die Hälfte in Afrika zu finden, dabei stehen der Sudan auf Platz 1, der Südsudan auf Platz 5, Burkina Faso auf Platz 7, Mali auf Platz 9 und Somalia Platz 10 (Gaza Platz 2, Syrien Platz 4). In den 20 Regionen, die besonders stark unter den Folgen von Krieg, Wirtschaftskrisen und Klimawandel zu leiden haben, leben nur 11% der Weltbevölkerung aber 82% dieser Menschen benötigen dringend humanitäre Hilfe. Ich nenne nur ein Beispiel, den Sudan. In diesem afrikanischen Land leben 11,4 Millionen Menschen als Binnen- vertriebene, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Bei einer Gesamtbevölkerung von rund 49 Mio. Einwohnern sind das ca. 20 %! Insgesamt sind über 30 Mio. Menschen auf Hilfe angewiesen. Durch diese katastrophalen Bedingungen kommt es verstärkt zu Choleraausbrüchen, täglichen Hungertoten, darunter ganz besonders viele Kinder. Der IRC bezeichnet die Lage im Sudan als die größte und verheerendste humanitäre Krise weltweit.
Und wie reagieren die Industrienationen? Sie streichen Hilfsmittel in Größenordnungen, ja, die Bundesregierung streicht die Gelder für Seenotrettung sogar komplett. (Quelle: Sea-Watch)
Lasst mich noch auf die Situation in einigen weiteren ausgewählten afrikanischen Ländern hinweisen: In Somalia sind ca. 1,6 Mio Kinder unter 5 Jahren von akuter Mangelernährung betroffen; über 20 % der Bevölkerung leben in extremer Armut und fast eine Mio. Menschen in von Al-Shabaab kontrollierten Gebieten erhalten keine humanitäre Unterstützung. In Äthiopien droht die sechste Regenzeit in Folge auszufallen. Dadurch könnte sich die Dürre, von der bereits 24 Mio. Menschen betroffen sind ausweiten und humanitäre Organisationen werden militärisch daran gehindert, lebenswichtige Hilfe zu leisten! Auch in Niger, Mali, Burkina Faso, über die ich im vergangenen Jahr berichtet habe, hat sich die Lage keinesfalls verbessert, eher verschlechtert. Abschließen möchte ich mit einem Ausspruch des großartigen ehemaligen Präsidenten und Friedenskämpfers Südafrikas, Nelson Mandela: „Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern das Vorhandensein von Gerechtigkeit.“ Ich habe das Gefühl, dass wir heute weiter denn je in diesem Jahrhundert von Gerechtigkeit entfernt sind. Unsere westliche Wohlstandsgesellschaft vergrößert die Ungerechtigkeit, die vielfach durch unsere Vergangenheit entstanden ist, immer mehr. Ich denke da z.B. an Kinderarbeit, um Ressourcen für Batterien abzubauen oder Kleidung für uns herzstellen, Bekämpfung eines wirksamen Lieferkettengesetzes, Kürzung der Mittel für Entwicklungszusammenarbeit (wie schon gesagt), Zurücknahme von Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels und damit zusammenhängend der Hungersnöte in vielen Ländern, die den Klimawandel nicht verursachen usw. usf.
Lasst uns nicht müde werden im Kampf gegen diese menschenfeindliche Entwicklung und lasst uns zusammenstehen. Wir sind alle Bewohner dieser einen Erde!!!

