Rede Couleurs Afrik zum Weltfriedenstag21.09.2024 Plattenpark – Mueßer Holz

Mein Name ist Hannelies Höchel vom Verein „Couleurs Afrik – Die Farben Afrikas e.V.“
Ich möchte meine Ausführungen mit einem Erlebnis beginnen, das ich gerade vor ein paar Tagen im Urlaub am Bodensee hatte. Mein Mann und ich warteten am Bahnhof eines Vorortes von Lindau auf unseren Zug und mit uns ein Schuljunge von etwa 10 Jahren und eine muslimische Frau. Der Junge, der gesessen hatte, stand auf und bot der Frau seinen Platz an. Sie bedankte sich und wollte ihn erst nicht annehmen, aber der Junge sagte, dass er sowieso mit dem nächsten Zug zur Schule fahren würde. Daraufhin antwortete die Frau, sie wolle zur Arbeit. Und weil ich nicht teilnahmslos daneben sitzen wollte und es mich auch interessierte, fragte ich sie nach ihrer Herkunft. Die Frau antwortete, dass sie aus Syrien geflohen sei, nachdem sie ihre Eltern und ihren Mann verloren hätte. Daraufhin begann der Junge zu weinen und die Frau, die doch das Leid erlebt hatte, tröstete ihn.
Dieses Erlebnis hat mich tief berührt und wieder direkt darauf gestoßen, wie viele Menschen, die oftmals sehr grausame Erlebnisse zu verkraften haben, weltweit auf der Flucht sind.

Das deutsche Friedensgutachten 2024 vom 10. Juni, das vom deutschen Friedensforschungsinstitut herausgegeben wurde, stellt eindeutig fest, dass Armut, Hunger und Gewaltkonflikte sich gegenseitig bedingen.

Ich werde diese Aussage durch einige Beispiele aus Afrika belegen. (Quelle: 2024 Emergency Watchlist International Rescue Committee in Deutschland)
In der Demokratischen Republik Kongo toben seit 2023 heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der bewaffneten Gruppierung M23. Das führt dazu, dass 2024 ca. 25,4 Mio. Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sein werden, mehr als in jedem anderen Land der Welt.
In Äthiopien gibt es seit Jahren ständig wieder aufflammende Konflikte in verschiedenen Regionen des Landes. Sie bergen das große Risiko einer Rückkehr zu groß angelegten Kämpfen, da die Gewalt immer wieder eskaliert und Spannungen mit den Nachbarstaaten bestehen.
Im Niger gab es im Juli 2023 einen Putsch, der politische Spannungen mit den Nachbarstaaten ausgelöst hat, da einige Mitglieder der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS militärisch eingreifen wollten. Wir waren zu der Zeit gerade in Togo und haben uns ziemlich unsicher gefühlt. Glücklicherweise löste der Konflikt keinen Flächenbrand aus. Durch diesen Putsch sind jedoch im Niger die öffentlichen Ausgaben um 40% gesunken und bewaffnete Gruppen wollen das Machtvakuum nutzen, das durch den Abzug der ausländischen Militärhilfe entstanden ist.
Somalia ist sehr stark von Klimakatastrophen betroffen. Nach 5 gescheiterte Regenzeiten leidet das Land jetzt unter weit verbreiteten Überschwemmungen, woraus sich ein hoher humanitärer Bedarf ergibt. Die Lage der Einwohner des Landes wird durch eine laufende Regierungsoffensive gegen al-Shabaab-Truppen, die auch die Zivilbevölkerung bedrohen, noch weiter verschärft.
In Mali sind 6,2 Mio. Menschen aufgrund von Sicherheits- und Wirtschaftskrisen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Durch den Abzug der UN-Friedenstruppen und erneute Kämpfe zwischen Regierung und bewaffneten Tuareg-Gruppen im Norden, die bereits Städte belagern und Zugang zu humanitärer Hilfe abschneiden, lebt die Hälfte der Bevölkerung in Armut.
In Burkina Faso bekämpft das Militär seit Jahren bewaffnete Gruppierungen, doch die Gewalt im gesamten Land breitet sich rapide aus und ca. die Hälfte des Landes ist außerhalb der Kontrolle der Regierung.
Der anhaltende Krieg zwischen den Regierungstruppen und den Rapid Support Forces im Sudan hat das Land an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Millionen Menschen haben nicht genug zu essen und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Immer wieder bewahrheitet sich die eingangs zitierte Feststellung des dt. Friedensgutachtens und wir dürfen nicht vergessen: Dies ist nur ein Teil der oft übersehenen bewaffneten Konflikte und Kriege, aber: JEDER DIESER KONFLIKTE KANN DER AUSLÖSER FÜR EINEN NEUEN WELTKRIEG SEIN, WEIL ÜBERALL, WO SICH DER WESTEN ZURÜCKZIEHT ODER WEGEN DER POSTKOLONIALEN POLITIK VERTRIEBEN WIRD, RUSSLAND ODER CHINA DIE LÜCKE FÜLLT.

Deshalb geht es nur mit Diplomatie und gerechter Verteilung!

An den Schluss meiner Ausführungen setze ich den Ausspruch von Bertha von Suttner, der österreichischen Schriftstellerin und Pazifistin, Friedensnobelpreisträgerin von 1905:

Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.